23.10.2014

Biken in der Taroko Schlucht



Du bist gerade in Taiwan unterwegs, suchst landschaftlich etwas Neues und brauchst mal wieder etwas mehr Bewegung? Die Taroko-Schlucht im Nord-Osten Taiwans bietet dir genau das.

Wie ich bereits geschrieben habe, war ich für drei Wochen in Taiwan und gegen Ende der Tour fanden wir im Reiseführer einen kleinen Eintrag, eigentlich nur der Nebensatz im Zusammenhang mit einer Unterkunft, dass die Betreiber der Rihang Taroko Lodge MTBs vermieten und einen ins Landesinnere bringen, von wo aus man mit dem Rad zurück fahren kann.


Da wir unsere Unterkünfte spontan während des Reisens ausgesucht hatten, mussten wir auch mal mit einer Absage rechnen, was hier leider der Fall war, die Lodge war einfach ausgebucht. Dennoch wollten wir unbedingt die Biketour in der Taroko-Schlucht machen und fragten bei der Lodge per Mail nach, ob wir dennoch diese Tour machen könnten. Wir bekamen von dem freundlichen und unkomplizierten Personal eine Zusage, zudem fanden wir eine Unterkunft im nahe gelegenen Hualien, von wo aus wir mit dem Zug (keine 20 min. Fahrt) nach Xincheng fahren konnten. Hualien hat übrigens mit Nachtmärkten, Tempeln und Garküchen einiges zu bieten und ist eine gute Basis, um von dort aus Tagestouren zu machen.


In Xincheng angekommen wurden wir von Rihangs Sohn mit einem Van abgeholt, die Fahrräder waren schon dabei. Auf der Fahrt zum Ausgangspunkt wurde uns immer mehr bewusst wie Atem beraubend diese Landschaft ist. Allerdings genießt man diese erst richtig auf dem Rad. Schroffe Felswände, die hunderte Meter in den Himmel ragen, unterbrochen von Wasserfällen, Tempeln, kleinen Hängebrücken und Tunneln. Einen Tunnel kann man umfahren, man wird dadurch mit einer Aussicht belohnt die einen schlicht und ergreifend umhaut. Überhänge und der Fluß, der sich über Jahrtausende durch die Berge gefressen hat und einen die ganze Zeit begleitet. Die Natur zeigt sich auch immer wieder mal von ihr mächtigen Seite, die Überreste eines Erdrutschs, ausgelöst durch den Taifun Fung Wong, der keine zwei Wochen zuvor getobt hat, verschlug einem den Atem. Reisebusgroße abgegangene Felsbrocken ließen uns ganz schön mickrig erscheinen.



Das großartige war die Tatsache, dass die Tour nicht geführt war, wir konnten uns völlig frei bewegen, stoppen wann und wo wir wollten und unser Tempo fahren. Zurück in Xincheng mussten wir die ausgeliehen Bikes einfach am Bahnhof abstellen, das schien kein Problem zu sein. Wie so oft in Taiwan hörten wir vorher die beiden Worte "no worries". Der Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben und die Tour würde ich jedem wärmstens empfehlen.

Schaut euch unbedingt noch weitere Fotos bei an!


20.10.2014

Portrait: Eddy Merckx Pista Professional









Seit einiger Zeit bin ich stolzer Besitzer eines Eddy Merckx Professional Bahnrades. Der Rahmen wurde in liebevoller Handarbeit von unseren belgischen Nachbarn extrem knackig gestaltet.Er ist schön steif und fährt sich "brachial". Ich datiere ihn mal Ende der 70er bzw. Anfangs der 80er Jahre (ohne Gewähr)*. Leider ist er mir viel zu klein. Trotzdem richtig geiles Teil und deshalb hier mal schicke Fotos.


Zu den Details:

frame and fork: Eddy Merckx Pista Professional 57cm (m-m)
wheelset: Campagnolo Super Record Pista (Sheriff-Star) hubs, aero Spokes, Mavic Mach2 rims
headset: Campagnolo Record
crankset: Campagnolo Record Pista
chainring: Campagnolo Record Pista
bottom bracket: Campagnolo Record
seat post: Campagnolo Super Record
seat: Selle Cinelli Unicanitor
stem: 3ttt
bar: 3ttt

... weitere fotos auch auf flickr!


* Edit: Eine genauere Recherche ergab, dass der Rahmen von 1985 stammt.
 

13.10.2014

Made in Taiwan


Ich hatte drei Wochen Urlaub, drei Wochen, die ich mit Rucksack bepackt nutzte, um mal wieder neue Länder zu bereisen, neue Kulturen und Menschen kennenzulernen und immer wieder die Augen nach Fahrrädern, Radfahrern und Strecken offen zu halten. Ich wurde von Freunden, Familie und Kollegen gefragt wo es denn hinginge und das Gespräch sah immer ziemlich ähnlich aus:

"Und, wo geht es diesmal hin?"
"Nach Taiwan..."
"Oh ja, Thailand soll ja sehr schön sein."
"Nein, TAIWAN!"
kurze grübelnde Pause
"Aha... und was macht man da so?"

Das musste ich dann immer wieder erklären, aber lest selbst.


Taiwan ist erstaunlich vielseitig und hat extrem viel zu bieten und damit meine ich keine billige Elektrogeräte mit dem Gütesiegel "Made in Taiwan". Von Urban über Kulinarischem bis hin zu Sport, Kultur, Strandurlaub, Party ist alles drin. Wer drei Wochen im Gebirge wandern will, kein Problem, das Gleiche gilt natürlich auch für's Radfahren. Du bist eine Bergziege mit Quäl-dich-Faktor? Dann ab ins Landesinnere, da warten 3- bis 4-Tausender auf dich, um mit RR oder MTB bezwungen zu werden. Du bist eher der Randonneur, der gerne lange Strecken fährt und sich Zeit für die Umgebung nimmt? Dann kannst du die Insel einfach umrunden und die bösen Steigungen aussparen und glaubt mir es gibt sehr viel zu sehen und zu erleben.

Im Vorfeld ist mir ein Video der Taipei-Fixie-Crew aufgefallen und ich freute mich bereits auf die Lokale Radszene. Als ich in Taiwan angekommen bin und in Taichung meinen ersten Stopp hatte, umzingelt von Scooterfahrern, hunderte davon, ein regelrechter Bienenschwarm, habe ich mich gefragt, ist der Taiwaner ein Radfahrer? Fährt er wie ich morgens mit dem Rad zu Arbeit? Dreht er seine Runden und sucht nach schöneren, schnelleren, anspruchsvolleren Strecken? Ist der Verkehr in Taiwan, der eher so strukturiert ist, dass der Stärkere gewinnt und dennoch erstaunlich friedlich ist, überhaupt geeignet? Ich konnte die Frage nicht beantworten. Noch nicht.

Erst als ich im Landesinneren angelangt war, in der Gegend vom Sun-Moon-Lake fielen mir mehr und mehr Menschen auf, die sich dem Radsport verschrieben hatten. Zum Anderen gab es immer mehr Fahrradgeschäfte, wobei es weniger Geschäfte mit einem bunten Sammelsurium an Fahrrädern waren, sondern eher Filialen eines Herstellers und zwar Giant. Dieser scheint das Fahrradgeschäft in Taiwan ziemlich gut im Griff zu haben, denn ich habe wenig Alternativen gesehen, ein Geschäft mit Merida Bikes und ein paar kleinere Lokale Reparaturbuden, das war alles. Allerdings bietet Giant auch geführte Touren mit Begleitfahrzeugen an, oder bestückt Hotels oder andere Unterkünfte mit Mieträdern und scheint in Taiwan omnipresent zu sein.



Im Süden Taiwans, die Strecken sind dort deutlich flacher, allerdings ist die Hitze ein ständiger und anstrengender Begleiter, sieht man immer mehr Biker und die Strecken sind sehr gut ausgebaut. Die weniger besiedelte Ostküste glänzt mit langen Panorama-Strecken unterbrochen von kleinen Flußdeltas, die dazu einladen ins Landesinnere zu fahren, wie z.B. in der Taroko Schlucht. Dort zu fahren haut einen regelrecht um. Links und rechts türmen sich die Berge schwindelerregend steil auf, während dich die in den Felsen gehauene Straße immer weiter führt. Dazu werde ich in den nächsten Tagen noch separat etwas schreiben und Fotos gibt es dazu natürlich auch.

Auch in Taipei ist die Fixie-Kultur angekommen und wird dort mit Kleidung, Bikes und Stil gepflegt. In Großstädten sind gut ausgebaute Radwege im "grünen" Arealen zu finden.

Mein Fazit ist, Taiwan ist großartig, die Menschen sind fast schon erschreckend hilfsbereit, auch wenn es manchmal zu kleinen sprachlichen Wirrungen kommt. Die Landschaft ist abwechslungsreich und man kann mit einem kleinen Budget sehr gut Reisen. Die Küche dort, beide Daumen hoch. Definitiv ist diese Insel eine Reise wert.


Hier sind noch ein paar Links:
Zusätzliche Fotos bei Flickr.
Taipei-Fixie-Crew bei FB
MID Taiwan Bike eine kleine Handmade-Schmiede in Taichung
Taiwan Cycling Festival

10.09.2014

Moin un van Harten willkomen in Flensburch...

...würde man im hohen und wilden Norden sagen um einen in Flensburg zu begrüßen. Man sollte dann allerdings nicht auf die Idee kommen mit "Guten Morgen" zurück zu grüßen, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe meinen guten Freund Christoph in Flensburg, besser gesagt in Glücksburg bei Flensburg, besucht und dachte, dass ich die Gegend doch auch gut mit dem Rad erkunden könnte, evtl. auch mit dem Fixie. Ich entschied mich dann doch dagegen und nahm meine Canyon-Rennmaschine mit. Eine Entscheidung die ich nicht bereuen sollte, denn der hohe Norden an der Ostsee ist gar nicht so flach wie ich gedacht hatte. Kurze knackige 7%-Rampen, die mit dem Fixie eher mäßigen Spaß gebracht hätten, waren mit Schaltung kein Problem.
Man kommt schnell aus Flensburg raus, kann nach Dänemark, oder auf der deutschen Seite die Flensburger Förde entlang radeln. Man sollte allerdings bedenken, dass der Wind an der Küste mal Freund mal Feind sein kann. Kurzum, es lohnt sich dort hinzufahren, denn was gibt es schöneres, als sich nach einer Tour mit einem Fischbrötchen und einem Flens am Hafenbecken zu belohnen.

03.08.2014

Der 250km-Trip: Trier-Koblenz-Bonn


Gestern war es soweit! Die 250km mit dem Rad an einem Tag sollten geknackt werden.
So machten sich André (a.k.a. Tempo-Härte) und ich (a.k.a. Abfahr-Gott) mit dem Zug von Köln nach Trier auf. Und das zu einer uns völlig ungewohnten Zeit, nämlich morgens um 6:30Uhr. 

In Trier starteten wir um ca. 10:00 Uhr unsere Fahrt immer entlang der Mosel. Das ist schon eine herrliche Strecke und die macht richtig Spass. Aber dass wir in Koblenz nach ca. 7 Stunden Fahrt schon fast 200km auf dem Tacho haben sollten, war uns irgendwie nicht klar. Der eigentliche Plan war ja, bis nach Köln zu fahren.

Von Koblenz bis Köln machten sich nach einem derberen Gewitter und einer nicht so ganz geplanten Cyclocross-Strecke die ersten Krämpfe und sonstige Schmerzen bemerkbar und wir beschlossen, dass wir in Bonn nach 257km auf dem Rennrad unser Ziel erreicht hatten. Irgendwie! Endlich! Erlösend!

Letztendlich kann man sagen, dass wir überglücklich sind diesen Trip hinter uns gebracht zu haben. Geile Tour und sehr befriedigend, aber auch schmerzhaft und angesichts von heftigem Muskelkater, Krämpfen und Gelenkschmerzen vermutlich eher ungesund. Aber erzählen werden wir unseren Enkelkindern davon.

31.07.2014

Run-Klick-Klick-Ride

Bei der Pedalauswahl gibt es ja die, die ganz klassisch auf Körbchen schwören, jene, die sich eher mit der modernen Variante der Straps angefreundet haben und eben solche, die sich über das Klick-Geräusch freuen, wenn die Schuhe einrasten, um dann Gas zu geben. Zur letzteren gehöre ehrlich gesagt ich (ich sehe schon meinen Blog-Kollegen verständnislos den Kopf schütteln, der alte Körbchen-Fahrer).

Nur gibt es da ein großes, ein sehr, sehr großes ABER! Klickschuhe sind für gewöhnlich schlicht und ergreifend hässlich und einfach nicht für den Alltag zu gebrauchen. Will sagen, schnell Fahrrad fahren... arbeiten gehen... nach der Arbeit wieder fahren... Freunde treffen... wieder fahren... noch ein Termin... ab aufs Rad und zurück nach Hause. Das ist nichts für den traditionellen Klick-Schuh. Ich habe mir zwar vor längerem mal welche gekauft, diese sind auch nicht so spiegelglatt und man eiert beim Laufen auch nicht so fürchterlich rum, aber praktisch und komfortabel ist anders.

Ich habe gestern von Goldsprint Berlin meine Bestellung erhalten und damit eine tolle und gar nicht so teure Alternative gefunden. Ein halbhoher und in der Sohle ordentlich verstärkter Sneaker, dessen Sohle man aufschnibbeln kann, um ans Place-To-Be zu kommen, da wo man seine Klickies anschrauben kann.

Jetzt wird vermutlich jeder Kurierfahrer, der halbwegs Ahnung von seinem Job hat sagen: "Häh? Damit fahre ich doch schon seit Jahren!?!". Aber hey, bin ich Profi? Ich habe da nun mal etwas gebraucht und muss sagen, die Schuhe machen einfach Spaß. Welche Marke ihr euch kauft, bleibt natürlich euch überlassen. Ich für meinen Teil habe einfach auf den Preis geachtet und fand es gar nicht so schlecht NICHT mit einer total hippen Marke gebrandet worden zu sein.

EDIT:_____________________________________________
Aufgrund einer Nachfrage, die Cleats "verschwinden" ganz in der Sohle und stören beim Laufen nicht. Die Schuhe sind also absolut alltagstauglich.

10.07.2014

Der NOS Diamant-Teile-Hype!




Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die alten DDR-Räder, in erster Linie Diamant, und die dazugehörigen Teile momentan einen kleinen Hype erfahren:
Die Preise in den Kleinanzeigen-Portalen steigen!
In Foren wird mehr drüber gesprochen!
Jeder Fahrrad-Sammler braucht jetzt eins!

Naja! Vielleicht geht es ja auch nur mir so mit diesem Eindruck. Trotzdem war es für mich der Zeitpunkt mal in den Keller zu gehen und zu gucken, was da noch an unbenutzter DDR-Lagerware zu finden ist. Die kleine aber sehenswerte Ausbeute an NOS* Diamant-Teilen findet ihr in den Fotos.

Bemerkenswert auch die Namen der Fabriken, Kombinate und die in der DDR üblichen festen Einzelhandelsverkaufspreise (EVP):

Diamant Rennbügel komplett mit Korken
VEB Elite-Diamant Karl-Marx-Stadt
EVP 17,15 M

Renak Lenkungslager vollständig
VEB Renak-Werke
VEB-Ifa-Kombinat Personenkraftwagen Reichenbach
EVP 4,30 M

Kettenrad
VEB Fahrzeugs- und Jagdwaffenfabrik Ernst Thälmann Suhl
EVP 4,65 M

KEBA Renn-Speichen 100 Stück 304mm 1,8mm verchromt
VEB Kettenfabrik Barchfeld
IFA Kombinat für Zweiradfahrzeuge
EVP 14,00 M  


Hier noch eine sehr interessante Internetseite mit weiteren Infos zu Diamant, MIFA, Möwe, IFA und den vielen anderen Rad- und Radteile Herstellern der DDR.


* Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, dass die Teile nie NOS waren, weil sie schon mit Rost und Gebrauchspuren die Fabrik verlassen haben. 

14.05.2014

Portrait Sprint Textima


Endlich ist es soweit: Mein Textima Sprint Projekt ist bis auf Kleinigkeiten fertiggestellt. Deshalb gab es jetzt das erste offizielle Foto-Shooting mit diesem Meisterwerk des Bahnradbaus.

Und ich möchte hier noch ein paar Details zum Rahmen und den Anbauteilen loswerden.

Den Rahmen habe ich in schwarz lackiertem Zustand und mit einer falschen Gabel bekommen. Glücklicherweise fand sich die originale Gabel an. So musste ich noch die ovale Textima Sattelstütze und den Bierhahn-Vorbau mit Sprint-Bügel besorgen. Die ovale Sattelstütze hat mir direkt ein Freund vermacht. Danke dafür nochmal! Den Bierhahn-Vorbau habe ich zufällig aus einem großem Auktions-/Kleinanzeigen-Portal gefischt. Von der Geo passt er leider nicht ganz, da er von einem Straßenrahmen stammt. Der Vorbau wurde als Schwarzbau bei Textima gefertigt und an Privathand verkauft. Sowas ging nur mit sehr guten Beziehungen! Der Lenkerbügel ist nicht original. Es handelt sich um ein italienisches Fabrikat. Die Laufräder stammen ebenfalls nicht aus der DDR. Aber der LRS ist eine gelungene Kopie von den Textima-Laufrädern. Das Gesamtbild des Rades ist recht stimmig, obwohl ich langfristig natürlich nach einem kurzen Bierhahn-Vorbau und einem originalen Sprint-Bügel suche.


Und noch ein ganz wichtiges Detail zum Rahmen: Er hat die Nummer 791, was auf das Baujahr 1986 schließen lässt. Sollte das stimmen, kommen nur eine handvoll Sprinter in Frage, für die dieser Rahmen gebaut wurde, unter anderem Lutz Heßlich und Michael Hübner

Schaut auch unbedingt die weiteren Fotos bei an!

Zu den Details:

frame: Textima Sprint Rahmen
wheelset: Campagnolo C-Record Hubs (Sheriff-Star), Mavic Mach 2 Rims, Aero-Spokes
tires: Vittoria
headset: Campagnolo Record Pista
cranks: Campagnolo Record Pista
chainring: Campagnolo Record Pista
bottom bracket: Campagnolo Record Pista
seat post: custom built oval
seat: Selle San Marco Supercorsa
stem: custom built "Bierhahn" stem
bar: 3ttt Pista  

22.04.2014

98. Rund um Köln


Eigentlich hatte ich gar nicht vor die 98. Auflage von Rund um Köln zu besuchen. Plan war einfach ein wenig ins "Grüne" zu fahren, das Wetter genießen, Hauptsache raus aus Köln. Natürlich wurde man im Bergischen Land immer wieder durch rumlümmelnde freiwillige Mitarbeiter in Orange und rote Pfeile, welche die Rennstrecke markierten daran erinnert, dass gerade das Rennen läuft.

Dann, auf dem Rückweg Richtung Köln, in der Weltmetropole Rösrath-Stümpen, war an ein Durchkommen nicht mehr zu denken. Auf Anfragen, wie lange das denn dauert, kam die Info "Mit so'ner Viertel Stunde müssen'se schon rechnen". Ach, das passt doch, dann mache ich gleich ein paar Fotos. Letzten Endes war der Spuk nach nicht mal 4 Minuten vorbei, aber ich konnte das Führungstrio Jay Thomson (MTN-Qhubeka), Gregor Mühlberger (Tirol Cycling Team) und Klemen Stimulak (Adria Mobil), die sich einige Bergpunkte sichern konnten, sowie den verfolgenden Tross an Rennradfahrern sehen.

Dieses Jahr hat übrigens die Profimannschaft "Bike Aid-Ride for Help", zum Teil bestehend aus Fahrern der „Tour du Faso“, teilgenommen. Diese Mannschaft hat sich 2014 gegründet, um an "exotischen" Rennen, wie in Kamerun, Guatemala, Marokko etc. teilzunehmen und um hierbei den Radsport mit sozialen Projekten zu verbinden. Eine Mannschaft, die man aufrgund dieser Aktivitäten im Auge behalten sollte. 

Später bekam ich dann die Ergebnisse des Rennens auf "konventionellem" Weg im TV mit, mit einem sichtlich enttäuschten Gerald Ciolek (MTN-Qhubeka) auf dem dritten Platz. Glückwunsch an dieser Stelle.

19.04.2014

02.04.2014

Tour du Faso - Das Interview mit Benjamin Höber

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von augenschein-Filmproduktion.

Während sich die meisten von euch in den letzten Tagen mit der Berliner Fahrradschau und dem Auftakt der neuen Rennserie Rad Race beschäftigt haben, ging es bei mir weit über die Grenzen hinaus, und zwar nach Burkina Faso und der damit verbundenen Tour du Faso.

Die Tour du Faso existiert seit 1987 und ist, mit 1300 Kilometern bei bis zu 40°C, verteilt auf zehn Etappen, Afrikas größtes Radrennen. Quer durch Burkina Faso liefern sich Rennradfahrer, Amateure und Profis aus Afrika und Europa ihr ultimatives Rennen: „Le Tour du Faso“.

In Burkina Faso wird den Kindern bereits das Fahrradfahren und die Begeisterung für den Radsport in die Wiege gelegt. Das Fahrrad, allzeit präsent, sei es als Fortbewegungsmittel oder als Sportgerät und jeder träumt den großen Traum vom gelben Trikot.

Zu diesem Anlass drehte Wilm Huygen mit der augenschein-Filmproduktion die Dokumentation „Tour du Faso“, die eindrücklich den Radsport der alten Schule zeigt, kaum Begleitfahrzeuge, bei einem Platten hilft man sich gegenseitig. Kein Rennzirkus. Kaum Kameraleute auf Motorrädern, geschweige denn in Helikoptern. Übernachten im Zelt. Einfach nur Rennradfahren, für den Ruhm, für sein Land. Und die Burkinabe sind stolz auf ihr Land, auf ihr Rennen aller Rennen! Die Aussage von Mahamadi Sawadogo, einer der beiden Protagonisten des Films und burkinischer Meister im Straßenrennen von 2002, blieb irgendwie hängen: "Wer keine Ambitionen hat zu gewinnen, brauch gar nicht erst anzutreten."

Wir vom Kettenblatt Blog konnten mit dem anderen Protagonisten und Tourteilnehmer Benjamin Höber vor der Premiere im Mai 2014 ein Interview über seine persönliche "Tour du Faso" führen.

KETTENBLATT BLOG: Ben, stell doch mal kurz das Team vor, das angetreten ist.

BENJAMIN HÖBER: Zunächst mal freue ich mich, dass der Film Euer Interesse geweckt hat und hoffe natürlich, dass er auch gefällt.

Das tut er definitiv und wir sind froh, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast, aber zurück zu deinem Team...

Unser Team bei der Tour du Faso 2011 bestand aus sechs Fahrern und dem Teammanagement Dominik Schmengler und Malte Wulfinghoff vom Department of Tomorrow (Münster). Karsten Keunecke (Bergneustadt) kann als maßgeblicher Initiator gesehen werden und als einziger, der auch alle Fahrer kannte. Denn wir waren ein zusammengewürfelter Haufen von Radsportverrückten, die in dieser Konstellation noch nie zusammen am Start gestanden haben. So galt Karsten zunächst auch als Kapitän, wenn wir so etwas denn überhaupt hatten. Serge Herz (Hannover), als endschnellen Sprinter, wollten wir zu Etappensiegen bei Massenankünften fahren (einen hat er tatsächlich im Nachgang erhalten!).  Heinrich Berger (Hamburg) war sicher auch ein Kandidat für eine vordere Platzierung im Gesamtklassement, durch seinen kleinen Unfall am Abend vor der Ersten Etappe eliminierte er sich jedoch leider selbst. Dennoch konnte er eine Etappe für sich Entscheiden! Elmar Hantzsch (Bielefeld) hatte sich nach der Beendigung seines Studiums ein wenig Abenteuer auf die Fahne geschrieben und wollte sich ggf. in den Dienst der Mannschaft stellen. Oliver Stock (Bad Segeberg) als Radsportglobetrotter brauchte schlichtweg einen neuen Länderpunkt auf seiner persönlichen Radsportkarte. Für mich (Mainz) war es eine Mischung aus Abenteuerlust und wieder gefundener Freude am Rennen fahren.

Gehörten zu eurem Team auch Betreuer, die schon Einblicke in das Renngeschehen hatten?

Allerdings, der Sportliche Leiter Ernest Zongo, zweifacher Gewinner der Tour du Faso und somit wichtiger Begleiter für unser Team, er kennt dort alles und jeden und konnte somit immer gute Tipps geben, so wie unsere Physiotherapeutin Rokie, welche sicherlich einen maßgeblichen Anteil an unserem sportlichen Erfolg hatte.

Du hast in dem Jahr bei einem Unfall drei Zähne verloren, du sagst verständlicherweise, das war ein schlechtes Jahr für dich. Welche Ambitionen hatte(s)t (du) ihr bei Tour du Faso mitzufahren? War es der Reiz des neuen, oder ging es „nur“ ums Gewinnen?

Ein wenig habe ich die Motivation bzw. unsere sportlichen Ambitionen bereits angesprochen. Da wir neu zusammengekommen waren, gab es zunächst keine Teamorder oder taktische Vorgaben. Wir wollten schauen wie sich die Rundfahrt entwickelt und was sich uns für Möglichkeiten auftun, wobei wir schon vermutet hatten, dass die ersten Etappen von großer Bedeutung sein würden. Nach meinem Sturz im Mai hatte ich Zweifel mit dem Sport weiterzumachen. Aber irgendwie kommt man ja doch nicht ganz davon los.

Du meinst deine neu gefundene Freude am Rennen fahren?

Genau, als sich die Möglichkeit auftat dieses wunderbare Rennen einmal bestreiten zu dürfen, war ich sofort begeistert und habe wieder vermehrt trainiert. Allerdings spielten auch andere Dinge eine wichtige Rolle. Denn mit der Idee des Department of Tomorrow in Burkina Faso eine Radsportschule aufzubauen stand hinter der ganzen Sache viel mehr als einfach nur ein Radrennen irgendwo in Afrika zu fahren.  Mit diesem Konzept in der Tasche und der Tatsache, dass Wilm Huygen einen Dokumentarfilm vor Ort drehen will, begaben wir uns mit viel Enthusiasmus auf Sponsorensuche. Denn so eine Abenteuerreise und vor allem die geplante Schule können ohne finanzielle Mittel natürlich nicht gestemmt werden. Die meisten der in diesem Jahr akquirierten Partner sind uns und dem Projekt bis heute treu geblieben. So verkehrt kann das alles also nicht sein ;-)

Habt ihr euch überlegen gefühlt, oder war da ein gewisser Respekt wegen der erstaunlichen Hitze und der Begebenheiten wie Straßenqualität, Wüstenstaub, Verpflegung etc.

Von Überlegenheit sollten wir in diesem Zusammenhang nicht sprechen, das Wort finde ich nicht ganz passend. Zudem wussten wir ja auch kaum was uns erwartet. Lediglich Karsten war diese Rundfahrt schon gefahren und hatte eine Idee davon, was da für Strapazen auf uns warten würden, wodurch er uns natürlich auch super einstimmen konnte. Richtig vorstellen kann man sich das vorher aber auf keinen Fall. Und auch das Teilnehmerfeld war bis zum Start nicht vollends bekannt und die meisten Fahrer kannte man ja auch schlichtweg gar nicht. Diese Variable war also eine absolute Wundertüte. Auf die Hitze habe ich mich tatsächlich eher gefreut, denn über die Jahre habe ich gemerkt, dass ich damit ganz gut zurechtkomme, wobei über 40 Grad dann doch eine neue Erfahrung waren. Da ich nicht für meine Fähigkeiten im Cross bekannt bin hatte ich eher Respekt vor den Schotterpassagen.

Hattet ihr euch wegen dieser Begebenheiten besonders vorbereitet, sei es im Training, oder mit dem Material, welches ihr gefahren seid?

Die Vorbereitung hat jeder für sich gemacht, da wir ja auch alle an unterschiedlichsten Orten der Republik leben. Richtig speziell ist das aber auch gar nicht möglich. Einige Crosspassagen habe ich allerdings tatsächlich hin und wieder in mein Training eingebaut und auch in die Sauna bin ich vermehrt gegangen.

Unser Material haben wir ja zum Großteil durch unsere Partner bekommen, welchen hier auch nochmal ein herzlicher Dank ausgesprochen werden soll!  Der Vorsorge halber haben wir natürlich einiges an Material mitgenommen, vor allem Schläuche, Reifen und Schlauchreifen. Letztere fahre ich bevorzugt im Rennen, was ja auch über 1300 Kilometer gut ging…

Zudem haben wir einen Teil des Materials nach der Tour an die Radsportschule übergeben. In Burkina Faso können die Radfahrer nicht einfach in den Fahrradladen Ihrer Wahl gehen und sich mit Material ausstatten. Es gibt dort leider einfach zu wenig.

Ihr ward oft wütend und enttäuscht, habt ihr euch bei dem Vorhaben diese Tour zu fahren überschätzt?

Lach. Wie schon erwähnt waren unsere Vorhaben durchaus unterschiedlicher Natur und aufgrund der vielen unvorhersehbaren Variablen auch gar nicht sehr hoch gesteckt, wenngleich man natürlich gerne vorne mitfahren möchte. In der Tat sind doch einige Szenen im Film zusehen in denen wir (allen voran meine Wenigkeit) nicht die beste Laune haben, das stimmt wohl. Das liegt zum einen daran, dass es sich meist um Sequenzen direkt nach dem Zieleinlauf handelt. Etappen bei weit über 30 Grad und deutlich über 100km können doch recht kräftezehrend sein. Wenn dazu noch das Renngeschehen nicht ganz nach Plan verlaufen ist oder Konkurrenten doch eher unsportlich unterwegs waren, ist man natürlich frustriert. Leute die wettkampfmäßig Sport betreiben oder betrieben haben können das sicherlich ein wenig nachvollziehen. Die größte Aufregung hat sich spätestens beim Abendessen oder dem ersten erfrischenden Bier jedoch wieder gelegt. Tja, und zum anderen müsste man hier die Intentionen des Regisseurs Wilm Huygen erfragen. Vielleicht hat er uns gerne in diesen Posen gesehen? Du kannst mir glauben, dass wir durchaus gut gelaunt waren vor Ort und 'ne Menge Spaß hatten. Aber so ist das halt bei einem Dokumentarfilm. Es gibt kein Drehbuch und wir haben auch keinen Einfluss auf das, was dann am Ende zu sehen ist. Dennoch ist es ein sehr schöner Film geworden!



Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass die Bilder starken Einfluss auf meine Fragen hatten und ich mir viele Gedanken über die Einstellung des Teams gemacht habe. Daher freut es mich gerade umso mehr ein neues Bild von dir und deinen Mitstreitern zu bekommen.

Was war nach der 2 Etappe, du warst extrem frustriert, was hat dich da genau gestört?

Das war eine der eben angesprochenen Etappen. Im Gesamtklassement war ich in einer guten Position. Auch die Etappe lief zunächst super für uns. Eine Ausreißergruppe mit Serge war aussichtsreich unterwegs. Als es doch wieder zum Zusammenschluss kam waren die Karten natürlich neu gemischt. Da die Topografie der Rundfahrt keine Berge beinhaltete waren Hitze, Schlaglöcher und an diesem Tag halt auch der Wind die wenigen Möglichkeiten das Feld zu teilen. Als wir dann auf einmal Gegenwind hatten wurde es auch gleich etwas hektisch und das Feld durch unzählige Attacken immer kleiner. Irgendwann schaffte ich es mich abzusetzen und auch das gelbe Trikot zu distanzieren. Nur hatte ich die Rechnung ohne meine Begleiter gemacht. Die verbleibenden 45 km fuhr ich nahezu alleine im Wind, mit nur sehr zurückhaltender Unterstützung. Als einigermaßen passionierter Zeitfahrer macht mir das grundsätzlich nichts aus und wir konnten auch einen deutlichen Vorsprung raus fahren.  Eigentlich gut mit Blick auf die Gesamtwertung. Wenn dann allerdings ein Fahrer die Etappe gewinnt der nicht einen (!) Meter im Wind gefahren ist und somit auch nichts für den Abstand zum Hauptfeld beigetragen hat denke ich ist es legitim ein wenig Wütend sein. Da steckt man während der Etappe halt in dem Dilemma durchzuziehen, um den Abstand zu vergrößern und dem Risiko eben so abgespurtet zu werden. Aber das kommt leider immer mal wieder vor.

Ihr musstet bei diversen Nachfragen, oder Kritiken ziemlich oft „...this is Africa“ hören. Konntest du mit dieser Aussage etwas anfangen, hast du diese Aussage als unfair empfunden?

Lach. In gewisser Weise finde ich diese Aussage sehr amüsant. Unbekannt war sie nicht, denn die meisten von uns waren auch schon in anderen Ländern in Afrika unterwegs. So habe ich diese Aussage bereits einige Jahre zuvor in Südafrika kennen gelernt. Sie scheint tatsächlich ein universell einsetzbares Mittel zu sein. Quasi ein „Totschlagargument“. Und von daher sehe ich sie auch ein wenig kritisch. Denn wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft oder wie andere es sich vorgestellt haben und auf „Afrika“ zu schieben halte ich für eher stumpf und sehr plakativ. Wenngleich im Alltag dort doch ein wenig mehr Gelassenheit zu spüren ist. Was die Fahrweise im Rennen angeht kann man aber durchaus eklatante Unterschiede zu den meisten Rennen in Europa ausmachen, das stimmt schon. Einiges davon wird ja im Film angesprochen.

Die Burkinabe sind unglaublich stolz. Es ist eine Frage der Ehre zu gewinnen und das gelbe Trikot zu tragen, sie sind voller Siegeswillen. Leider hat das Team überhaupt keine Taktik, hat nicht gelernt im Team zu gewinnen, sondern attackiert unentwegt und dann? Was war das für ein Gefühl, dass sie nicht nach den europäischen Spielregeln fahren?

Vielleicht könnte man sagen es war Fluch und Segen zugleich, denn man kann versuchen diese Taktischen Defizite im Renngeschehen zu nutzen. Die Fahrweise kann aber auch sehr aufreibend und anstrengend sein. In Europa laufen Etappenrennen oft nach dem Schema, dass es am Anfang sehr schnell ist bis eine Gruppe weg ist und dann beruhigt sich die Lage meist ein wenig. Entweder sind dann alle zufrieden mit der Gruppe oder gegen Ende der Etappe wollen Mannschaften, die auf einen Sprint fokussiert sind, diese Gruppe zurückholen. In Burkina wurde oft trotzdem weiter attackiert. Oder die Burkinabe haben erst gar keine Gruppe weggelassen, wodurch natürlich immer Hektik Im Feld war, weil unentwegt probiert wurde weg zu kommen. Das zehrt dann schon an den Nerven.

Du erntest auf der 5 Etappe das Trikot für den angriffslustigsten Fahrer. Warst du da erleichtert?

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich es sogar auf zwei Etappen. Klar ist das irgendwie schön eine Auszeichnung zu bekommen. Quasi eine Honorierung der geleisteten Arbeit und Anerkennung der Leistung. Da es aber für unser Team um Etappensiege bzw. durch meine Platzierung auch um den Rundfahrtsieg ging, war das tatsächlich eher untergeordnet. Karsten bekam dieses Trikot übrigens auch. Die offensive Fahrweise unseres Teams wurde also durchaus wahrgenommen.

Letzte Etappe, zwei Platte Reifen, dein Teamkollege gibt dir sein Laufrad, damit du durchkommst. DAS nenne ich Teamgeist. Erzähl uns von eurem Zusammenhalt, extreme Temperaturen, einfachste Unterkünfte, eine Küche, die für den europäischen Magen sicher etwas herausfordernder war.

Das Ende des Filmes mag ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Allerdings kann man durchaus sagen, dass diese Etappe es in sich hatte. Materialschaden von Konkurrenten auszunutzen empfinde ich nach wie vor als nicht sehr sportlich, aber gut. Teamintern gab es absolut nichts auszusetzen und für ihre Hilfe und Unterstützung während der Rundfahrt bin ich den Jungs auch sehr dankbar. Leider waren wir auf der letzten Etappe dezimiert (Serge konnte nicht mehr antreten aufgrund einer recht heftigen  Magenverstimmung) und auch im Laufe der Etappe wurde unser Team immer kleiner. Dominik hat das hinterher auch gesagt, dass er ein wenig irritiert und enttäuscht am Rande stand angesichts der sich überschlagenden Ereignisse (die letzten 60km waren auf einem Rundkurs in der Hauptstadt Ouagadougou zu fahren) und hilflos zusehen musste.

Obwohl wir uns nicht alle kannten habe ich es als eine sehr eindrucksvolle und schöne Sache empfunden die Tour du Faso mit diesem Team zu bestreiten. Abenteuerlust und Spaß am Radfahren waren wohl die Komponenten die uns in gewisser Weise vereint haben. Radsport ist und bleibt halt doch ein Teamsport. Vor der Rundfahrt war uns klar, dass wir einige Male im Zelt schlafen würden. Das ist auch nicht für jeden etwas. Beeindruckend fand ich die kleine Zeltstadt, die der Veranstalter dazu immer aufgebaut hat. Jedes Team hatte ein Easy Up Zelt, ausgestattet mit Matratzen. Die Küche bzw. das Buffet waren dann auf Tischen unter freiem Himmel aufgebaut, das ganze irgendwo in einem kleinen Dorf. Für Leute die ohne Klimaanlage nicht schlafen können war das natürlich eher unangenehm, denn auch in der Nacht wurde es meist nicht richtig kalt. So war es ratsam auch am Abend die Flüssigkeitsaufnahme nicht zu vernachlässigen. Die Verpflegung an sich war doch recht gut. Nahrhaft, reichlich und meistens auch zeitig nach den Etappen. Damit unser Organismus sich drauf einstellen kann sind wir extra ein paar Tage vorher angereist. Man darf halt nicht erwarten in einem vier Sterne Bunker untergebracht zu werden, da wäre man völlig fehl am Platze. Ist man auf etwas einfachere Verhältnisse eingestellt ist es eine wunderbare Sache.

Was nimmst du vom Abenteuer Tour du Faso mit?

Die gesamte Reise würde ich als super Erlebnis bezeichnen! Was mich auf jeden Fall beeindruck hat war die Freundlichkeit der Menschen vor Ort. Im Vergleich zu unseren wohl etwas entarteten oder verrutschen Vorstellungen bzw. Maßstäben von Konsum, Besitz und Reichtum haben die Menschen dort eigentlich gar nichts. Dennoch sind sie gefühlt irgendwie glücklicher mit dem was sie haben. Das Leben dort ist in keiner Weise mit dem unsrigen zu vergleichen. Mit der Radsportschule haben wir einen wichtigen Grundstein für eine Entwicklung schulischer Bildung gesetzt. Da viele der heimischen Radsportler Analphabeten sind, wollen wir zumindest einem Teil von Ihnen die Möglichkeit geben, neben dem Beruf als Radsportler auch schulische Weiterbildung zu erfahren um Perspektiven für die Zeit nach der sportlichen Karriere zu erlangen.

Würdest du denn diese Tour nochmal machen?

Direkt nach der Tour war es für mich zunächst ausgeschlossen jemals wieder dort am Start zu stehen. Zwei Wochen unter doch recht extremen äußeren Bedingungen sind doch Kräfte zehrend. Zudem war es für mich eine neue Erfahrung festzustellen, wie mental anstrengend es ist jeden Tag aufs Neue hochkonzentriert im Peloton unterwegs zu sein und ja keine wichtige Gruppe zu verpassen oder ein Schlagloch zu erwischen, um die Platzierung im Klassement nicht zu verlieren. Da ist dann doch auch etwas Erleichterung, wenn es rum ist.

Aber gerade durch das Projekt der Radsportschule ist es doch fast ein Muss dort mal wieder aufzutauchen. Ein Team schicken wir jedes Jahr an den Start, immer wieder in neuer Konstellation. Im letzten Jahr war ich dann tatsächlich auch wieder am Start und durch die erfolgreiche Fahrweise von 2011 natürlich auch motiviert wieder vorne mitzufahren. Als ich aus dem Flieger gestiegen bin wusste ich wieder in Burkina zu sein. Ein unverwechselbarer Geruch.

Es war schön zu sehen, wie sich die Dinge dort entwickeln und es mit der Radsportschule vorangeht. Auch kannte man nun einen Großteil der Fahrer und es war alles irgendwie ein wenig persönlicher. Und was den Rennverlauf angeht konnten wir auch wieder eine Etappe gewinnen, vordere Platzierungen einfahren und, oh Wunder, auf der Schlussrunde der letzten Etappe einen Reifenplatzer verzeichen. Geschichte scheint sich zu wiederholen… Trotzdem schafften wir es mich auf den vierten Gesamtrang zu fahren. Auch in diesem Jahr wird wieder ein Team von uns am Start stehen. In welcher  Formation ist allerdings noch völlig offen.

Irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

Leute, schaut Euch den Film an. Es lohnt sich! Und haltet auch weiter die Augen und Ohren offen nach dem Projekt und nach diesem kleinen unscheinbaren Land im Herzen Afrikas.

Den Film sollte man sich in der Tat anschauen. Einen kleinen Vorgeschmack seht ihr im Tour du Faso Teaser. Den ganzen Film kann man auf der Premiere im Mai 2014 in Köln auf der Albert-Richter-Bahn anschauen. Wer nicht dabei ist verpasst was.


Ben, vielen Dank dass du so umfangreich deine Eindrücke dieses Rennens mit uns geteilt hast. Ich hoffe du und dein Team werdet noch einige solcher Abenteuer erleben.







TOUR DU FASO Regie: Wilm Huygen
Produktion: Jonas Katzenstein, Maximilian Leo | augenschein Filmproduktion
Verleih: Real Fiction

Ab 29. Mai 2014 im Kino!